Am Freitag der vergangenen Woche, am 07. April 2017, ist unsere langjährige und allseits beliebte Kollegin Barbara Wotjak nach schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren gestorben.

Zum Tod von Prof. em. Dr. Barbara Wotjak

Am Freitag der vergangenen Woche, am 07. April 2017, ist unsere langjährige und allseits beliebte Kollegin Barbara Wotjak nach schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren gestorben. Sie war, wie unsere Studierenden es anlässlich ihres 65. Geburtstags im November 2005 ausgedrückt haben, der gute Geist des Herder-Instituts, die, wie es in der damals entstandenen Festschrift hieß, „uns den Rücken stärkte, wenn der Atem ausgehen wollte, die Lichter setzte, wenn wir im Kreise liefen, die sich mit uns freute, wenn eine Hürde genommen war".

Barbara Wotjak wurde am 13. November 1940 in Reblin / Pommern geboren, flüchtete mit ihren Eltern 1945 nach Mecklenburg und wurde mit ihnen dann in Thüringen in der Nähe von Eisenach angesiedelt. 1959 studierte sie zunächst Lehramt Französisch-Deutsch an der Universität Leipzig und dann Diplom Romanistik und Germanistik, das sie 1964 mit „sehr gut" abschloss. Von 1965 bis 1976 arbeitete sie als Lehrerin im Hochschuldienst am HI im Bereich der Doktoranden-, damals genannt Aspirantenausbildung. 1976 begleitete sie Ihren Ehemann Gerd Wotjak für vier Jahre nach Kuba und arbeitete dort an ihrer Promotion, die sie 1981 mit magna cum laude verteidigte. 1989 - im Jahr der Wende - verteidigte sie ihre Habilitationsschrift zum Thema „Zu Inhalts- und Ausdruckstrukturen verbaler Phraseolexeme in System und Text", die mit dem Leibniz-Preis der Universität Leipzig ausgezeichnet wurde. 1991 wurde sie stellvertretende Direktorin des Herder-Instituts und Leiterin der Abteilung Fort- und Weiterbildung, aus der 1993 das neue Herder-Institut hervorging. 1992 wurde sie auf die Professur für Deutsch als Fremdsprache / Lexikologie der deutschen Gegenwartssprache berufen und begann die lange Aufbauarbeit, die das Fundament für das heutige Institut gelegt hat und die es bis heute prägt. Barbara Wotjak hat das neue Herder-Institut mit großer schöpferischer Kraft, mit weiser Voraussicht, mit einer klugen Personalpolitik und einem großen Wirkungsfeld nach innen und nach außen auf den richtigen Weg gebracht, sie hat es über viele Jahre geleitet und geformt und wieder zu dem gemacht, was es auch vor der Wende war, zu einem der renommiertesten Institute für Deutsch als Fremdsprache weltweit.

Barbara Wotjak hat intensiv im Bereich Lexikologie, Phraseologie, Sprachdidaktik und kontrastive Linguistik geforscht und publiziert. Dabei verstand sie es in hervorragender Weise, theoretisch-linguistische mit deskriptiv-linguistischen und sprachdidaktischen Fragestellungen zu verbinden. So entstanden zahlreiche wichtige Beiträge zur Phraseologie des Deutschen, umfangreiche Untersuchungen zu ausgewählten semantisch-lexikalischen Feldern des Deutschen auch im Vergleich mit den romanischen Sprachen, Beiträge zur Schnittstelle von Lexikologie und Grammatik und zu sprachdidaktischen Fragen. Barbara Wotjak ist es in einem großen Maße zu danken, dass Fragen der (Lerner-)Lexikographie und der Wortschatz- und Phraseodidaktik in einer umfassenden und an der Sprachverwendung orientierten Perspektive in die Fachdiskussion Eingang fanden. Damit prägte sie einen Bereich, der gerade in den letzten Jahren immer stärker im Mittelpunkt der Fachdiskussion steht. Die Anwendung ihrer Forschungsergebnisse konnte sie durch die Erarbeitung einer Fülle von Lehr- und Lernmaterialien sowie durch wichtige Fortbildungsmaterialien auch sehr praktisch demonstrieren.

Nach der Wende von 1989/90 hat sich Barbara Wotjak nicht nur sehr erfolgreich darum bemüht, das Herder-Institut in neuer Verankerung als wissenschaftlich orientiertes Institut der Universität Leipzig zu etablieren, sie hat auch maßgeblich und mit großem Weitblick dafür gesorgt, dass bei der internationalen Vernetzung des Instituts einerseits schon lange bestehende Traditionen wieder aufgegriffen und neu belebt wurden, andererseits hat sie die internationale Vernetzung des Instituts - und der Universität Leipzig - auch vielfältig und nachhaltig erweitert, durch Institutspartnerschaften, wissenschaftlichen Austausch, gemeinsame Doktorandenförderung, Fortbildungen und Gastdozenturen. Wichtige Schwerpunkte lagen dabei insbesondere im romanischsprachigen Raum, waren aber keineswegs darauf beschränkt.

So ist es kein Wunder, dass Barbara Wotjak auch in zahlreichen Herausgebergremien, Auswahlkommissionen (etwa für die Lektorate des DAAD) sowie als Gutachterin in Promotions- und Habilitationskommissionen äußerst erfolgreich mitgewirkt hat. Auch hier hat sie mit ihrer Bescheidenheit, ihrem großen Respekt vor der Leistung anderer und den unterschiedlichsten Traditionen, mit ihrer Unbestechlichkeit, vor allem aber mit ihrer ausnehmenden Herzlichkeit und menschlichen Wärme weit mehr vermittelt als nur wissenschaftliche Expertise und fachliche Exzellenz. Wenigen Menschen ist es wie Barbara Wotjak vergönnt, in allen ihren Begegnungen so aufrichtig und herzlich Zugang zu den verschiedensten wissenschaftlichen und beruflichen Kontexten zu finden, solch hohe Motivation und solch großen Enthusiasmus für das Fach und die wissenschaftliche und pädagogische Arbeit im Bereich Deutsch als Fremdsprache zu wecken.

Seit vielen Jahren war Barbara Wotjak auch der am Herder-Institut in Zusammenarbeit mit inter-DaF e.V. herausgegebenen Zeitschrift „Deutsch als Fremdsprache" auf das engste verbunden. Als Autorin hat sie eine Vielzahl von Beiträgen und Rezensionen für die Zeitschrift verfasst; seit 2008 gehörte sie der Redaktion der Zeitschrift als stellvertretende Chefredakteurin an. In dieser Funktion hat sie die Arbeit der Zeitschrift kontinuierlich begleitet und maßgeblich unterstützt. Auch hier wird sie eine nicht zu schließende Lücke hinterlassen.

Nicht nur für ihre Studierenden, für uns alle war Barbara Wotjak „der gute Geist des Herder-Instituts". Mit ihrer hohen menschlichen Güte, ihrer Uneigennützigkeit und ihrer Bescheidenheit hat sie eine Atmosphäre der Gemeinsamkeit, des Konsenses und des tatkräftigen gemeinsamen Anpackens geschaffen, um die das Herder-Institut nach wie vor von vielen anderen Instituten beneidet wird. Auch dafür danken wir ihr und hoffen, uns dies immer erhalten zu können.
Barbara Wotjak war immer stolz auf ihr Institut, das sie gerne als „Perle im Kranze der Universitätseinrichtungen" bezeichnete, und sie war immer stolz auf das, was aus uns geworden ist. Wir werden ihr Andenken immer in Ehren halten.

Leipzig, im April 2017

Vorstand und Mitarbeiter*innen des Herder-Instituts

 

 

 

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