Nach langer und schwerer Krankheit ist am 19. September 2019 Dr. Ramona Bitter-Karas gestorben. Wir betrauern den Tod unserer beliebten und kompetenten Kollegin.

Das Herder-Institut trauert um Dr. Ramona Bitter-Karas

Am 19. September 2019 ist unsere langjährige und hoch geschätzte Kollegin Dr. phil. Ramona Bitter-Karas nach langer Krankheit im Alter von 61 Jahren verstorben. Mit Ramona Bitter-Karas verliert das Herder-Institut eine Mitarbeiterin, die durch ihr profundes Fachwissen, ihre Offenheit und ihren Enthusiasmus für das Fach und für die Lehre viele Generationen von Studierenden geprägt hat. Sie war uns eine kluge, immer hilfsbereite und verständnisvolle Kollegin, die das Herder-Institut in seiner heutigen Form wesentlich mitgestaltet und mitentwickelt hat. Dies gilt auch für die vielfältigen internationalen Netzwerke, die Ramona Bitter-Karas durch ihre Erfahrung, ihre Fachexpertise und ihre Kreativität bereichert und inspiriert hat. Dabei stand sie selbst immer bescheiden im Hintergrund, ihr ging es um die Sache und die Studierenden, die sie mit viel Elan und großem didaktischen Geschick auch für komplexe Sachverhalte zu begeistern wusste. Wie erfolgreich sie dabei war, zeigt auch die Tatsache, dass die Studierendenschaft des Herder-Instituts ihr im Jahr 2018 eine besondere Ehrung für hervorragende Lehre zuteil werden ließ.

Nach dem Abitur im Jahre 1976 studierte Ramona Bitter-Karas Slawistik mit Schwerpunkt Slowakistik. 1981 schloss sie das Studium an der Universität Bratislava mit einem Staatsexamen mit Auszeichnung ab. Im selben Jahr wurde sie am Herder-Institut der damaligen Karl-Marx-Universität Leipzig als Lehrerin im Hochschuldienst für Deutsch als Fremdsprache angestellt, wo sie insbesondere Deutschkurse in der Studienvorbereitung und Studienbegleitung für ausländische Studierende erteilte. Von 1986 bis 1990 promovierte sie als Aspirantin (mit einer Auszeichnung für hervorragende Nachwuchswissenschaftler) an der Forschungsabteilung des Herder-Instituts, welche von Prof. Dr. Gerhard Helbig geleitet wurde, dem ersten Lehrstuhlinhaber im Fach Deutsch als Fremdsprache im deutschsprachigen Raum. Ihre Dissertation widmet sich einem lexikologisch-grammatischen Thema und verbindet ihre slawistischen und germanistischen Interessen unter einer kontrastiven Perspektive: „Untersuchungen zu deutschen Verfügungs-/Besitzwechselverben des Nehmens unter Berücksichtigung ihrer slowakischen Äquivalente" (erschienen 1990). Nach der Wende und der Wiedervereinigung war Ramona Bitter-Karas zunächst als Lehrerin im Hochschuldienst für Deutsch als Fremdsprache, später als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Leipzig beschäftigt. Seit der Neubegründung des Herder-Instituts als Institut der Philologischen Fakultät im Jahre 1993 war sie festes Mitglied dieses Instituts; ihre Schwerpunkte lagen in den Bereichen Grammatik, Lexikologie und Phraseologie. Neben ihrer Tätigkeit am Herder-Institut war sie vor allem in den 90er Jahren vielfältig in der Lehrerfortbildung aktiv, insbesondere bei interDaF e.V. am Herder-Institut, wo ihre praxisorientierten Workshops zur Wortschatz- und Grammatikvermittlung viele internationale Deutschlehrkräfte bereicherten. Am Herder-Institut war sie maßgeblich an der Entwicklung und Umsetzung verschiedener neuer Studiengänge beteiligt, sowohl bei der Einführung des Magister- und Aufbaustudiengangs unmittelbar nach der Neugründung des Instituts als auch bei der Umstellung auf die Bachelor- und Masterstudiengänge ab 2006.

Ramona Bitter-Karas deckte in ihren Lehrveranstaltungen ein sehr breites Spektrum an Themen ab, von der Syntax und Morphologie über Fragen der Phraseologie, Lexikologie und des Sprachwandels bis hin zu Aspekten der Text- und Gesprächslinguistik sowie der Vermittlung des Deutschen als Berufs- und Wissenschaftssprache. Dabei bereitete sie sich nicht nur selbst akribisch vor, sondern erstellte auch vielfältiges Lehr- und Lernmaterial, das in seiner didaktischen Anlage und der Fülle der darin enthaltenen Materialien, Beispiele und Aufgaben den Studierenden als wichtige Grundlage und Orientierungshilfe in zentralen Bereichen des Faches diente. Auch hochschuldidaktisch und medial blieb sie immer aufgeschlossen - ihre Materialgrundlagen und Aufgaben fanden sich bald auf Lernplattformen wieder, die Einführung moderner Technologie wie der Smartboards begeisterte sie.

Ramona Bitter-Karas wirkte auch bei vielen Institutsaufgaben sehr produktiv und erfolgreich mit, so im Prüfungsausschuss, als Fachstudienberaterin und als Vertreterin des Instituts beim Studieninformationstag. Auch unterstützte sie den Aufbau und die Weiterentwicklung der am Herder-Institut angesiedelten binationalen Studiengänge nachdrücklich, insbesondere bei Koordinierungstreffen und Arbeits-Workshops zur Weiterentwicklung und Abstimmung der Curricula, aber auch bei der Betreuung vieler Abschlussarbeiten von Studierenden unserer Partnerinstitute. So haben ihre Expertise und ihr Engagement auch an vielen Instituten im Ausland tiefe und nachhaltige Wirkung hinterlassen.

Ramona Bitter-Karas war eine begeisterungsfähige und begeisternde Kollegin und Dozentin, die bis zuletzt, als sie schon von ihrer schweren Krankheit stark beeinträchtigt war, große Freude am Fach und an der Arbeit mit Studierenden ausstrahlte. Ende des Sommersemesters 2019 trat sie aufgrund ihrer Krankheit in den vorzeitigen Ruhestand. Viel zu früh ist sie nun von uns gegangen.

Ramona Bitter-Karas hat über viele Jahrzehnte das Herder-Institut fachlich und menschlich ungemein bereichert. Ihr Wirken hat viele Spuren hinterlassen, bei ihren Kolleginnen und Kollegen wie auch bei den Studierenden. Ihr Name und ihr Wirken werden mit dem Herder-Institut immer in besonderer Weise in Verbindung bleiben. Wir werden ihr ein ehrenvolles Andenken bewahren.

Leipzig, im September 2019

Vorstand und Mitarbeiter*innen des Herder-Instituts

 

 

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