Laufende Projekte am Herder-Institut

Eine Auswahl an Projekten, die in der letzten Zeit am Herder-Institut angesiedelt worden sind.

Studierende, die an einem Projekt interessiert sind, sollten sich mit den Projektleitern in Verbindung setzen, um nähere Informationen zu erhalten. Eventuell besteht die Möglichkeit, an einem Projekt mitzuarbeiten.

Neu (2017-2020): DFG-Projekt: Zugang zu multimodalen Korpora gesprochener Sprache

Ziel des von der DFG im Bereich "Literaturversorgung und Information - Infrastrukturen für Forschungsdaten" für zunächst drei Jahre geförderten Projektes ist es, die Nutzungsmöglichkeiten von multimodalen Korpora gesprochener Sprache zu vernetzen, zu professionalisieren und nutzergruppenbezogen auszudifferenzieren. Das Projekt ist auf drei Standorte verteilt: Das Herder-Institut an der Universität Leipzig (Projektleitung: Prof. Dr. Christian Fandrych), das Institut für Deutsche Sprache, Mannheim (Projektleitung: Dr. Thomas Schmidt), sowie das Hamburger Zentrum für Sprachkorpora an der Universität Hamburg (Projektleitung: Dr. Kai Wörner).

Im Mittelpunkt stehen dabei die zwei zentralen in vorliegenden Umfeldanalysen ermittelten Nutzergruppen aus den Bereichen Fremdsprachenvermittlung und Diskurs- und Variationsforschung. Auf der Grundlage einer korpusübergreifend einheitlichen Basisarchitektur werden für diese zielgruppenspezifische Gestaltungen der Zugangswege entwickelt und umfassend evaluiert. Damit wird für zwei wesentliche Anwendungsfelder erstmals eine effiziente bedarfsgerechte Nutzung der Korpusressourcen ermöglicht. Gleichzeitig wird ein Beitrag zur Methodik der zielgruppenspezifischen Weiterentwicklung und Ausdifferenzierung von Nutzungsarchitekturen derartiger Korpora geleistet, der auch über das vorliegende Projekt hinausweist.

Mit dem Projekt wird somit sowohl zentralen Nutzerkreisen ein verbesserter Umgang mit den Forschungsdaten ermöglicht, als auch neuen Nutzergruppen der Einstieg in die Nutzung erleichtert. Erstmals wird eine übergreifende Zugriffsstruktur für mehrere Korpora realisiert. Es wird ein transferfähiges Modell für die Professionalisierung und nutzergruppengerechte Aufbereitung existierender multimodaler Korpora gesprochener Sprache geschaffen.

Das Projekt soll in der ersten Phase in drei Schritten durchgeführt werden: Im ersten Schritt (Modellierungsphase) werden, aufbauend auf der Nutzerstudie, die Anwenderbedürfnisse der beiden ermittelten Nutzergruppen als nutzergruppenspezifische Zugänge modelliert. Auf dieser Basis sowie auf Grundlage einer Bestandsaufnahme von Funktionalitäten und Technologien vorhandener Korpusplattformen wird ein Pflichtenheft für die Implementierungsarbeiten der zweiten Phase erstellt. Im zweiten Schritt (Implementierungsphase) werden die ins Projekt eingebundenen Ressourcen für die nutzergruppenspezifischen Zugangswege vorbereitet (u.a. durch weitergehende Vorstrukturierung der Daten). Parallel wird eine hinsichtlich des spezifischen Anwendungszwecks offene Architektur für den Zugriff auf mündliche Korpora entworfen und umgesetzt, innerhalb derer dann für die zwei Nutzergruppen exemplarisch Nutzerinterfaces entwickelt und implementiert werden. Auf Basis eines Prototyps erfolgt eine Evaluierung durch Testnutzer, deren Ergebnisse in die abschließende Implementierung einfließen. Die Architektur orientiert sich an den Spezifikationen, die auch in der digitalen Infrastruktur CLARIN verwendet werden und wird mit diesen technisch kompatibel sein. Sie wird daher in großen Teilen auch auf andere Kontexte, in denen mündliche Korpora bereitgestellt werden, übertragbar sein. Im dritten Schritt erfolgt eine Integration der entwickelten Ressourcen in die CLARIN-Infrastruktur. Abschließend werden technische und methodische Ergebnisse des Projekts vollständig dokumentiert und in zwei Schulungen den avisierten Anwendergruppen vorgestellt.

Projektleitung am Herder-Institut: Prof. Dr. Christian Fandrych, fandrych@uni-leipzig.de

Finanzierung: DFG, AZ FA 1159/2-1

Autonomous Literacy Learners - Sustainable Results

Im Projekt wird die Entwicklung eines Lernberatungskonzeptes angestrebt, das auf die Entwicklung von autonomiefördernden Kompetenzen abzielt. Die Beratungskonzeption richtet sich an unzureichend literalisierte Menschen, die in Einrichtungen der beruflichen Weiterbildung und an Berufsschulen lernen. Damit werden primär DaZ-Lernende aber auch funktionale Analphabeten mit der Erstsprache Deutsch adressiert. Das Projekt ist durch ein explorativ-hypothesengenerierendes Vorgehen gekennzeichnet. Zentrales Anliegen ist es, die Beratungssuchenden zu befähigen, ihre eigenen Lese- und Schreibfähigkeiten durch selbstgesteuertes Lernen zu verbessern. 

Neben dem Konzept werden zahlreiche Beratungsmaterialien entwickelt, die in einer Materialsammlung für Coaches und Berater zusammengeführt werden. Im Rahmen des Erasmus+ Projektes führen die unterschiedlichen Kontexte der sechs Partner in den Niederlanden, dem vereinigten Königreich und Deutschland zu einer abweichenden Rezeption des zugrundeliegenden Konzeptes und erfordern die Entwicklung situationsadäquater Materialien, Vorgehensweisen und Gesprächstechniken. Mit Ende des Projektes wird eine Auswahl der pilotierten Instrumente in den Sprachen der drei Partnerländer vorliegen.

Ausführliche Informationen zur Konzepterstellung, der Pilotierung, der angestrebten Ergebnisse und zur Verbreitung finden Sie auf der Homepage der projektleitenden Einrichtung ( ITTA, Universiteit van Amsterdam ).

Projektleitung am Herder-Institut: Prof. Dr. Claus Altmayer
Projektkoordination am Herder-Institut: Stefan Markov
Projektpartner: Drs. Elwine Halewijn , ITTA Universiteit van Amsterdam (Projektleitung) Drs. Kaatje Dalderop , Stichting Melkweg+

Alexander Braddell , Oxfordshire Skills Escalator Centre Community Interest Company Dr. Naeema Hann , Leeds Beckett University

Dr. Alexis Feldmeier , Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Laufzeit: 10/2014 bis 9/2016
Finanzierung: ERASMUS+
Projekthomepage: http://www.itta.uva.nl/projecten/autonomous-literacy-learners-sustainable-results-49
Informationsfilm zum Projekt https://vimeo.com/157431928


GeSIG: Das gemeinsame sprachliche Inventar der Geisteswissenschaften

Das Projekt GeSIG setzt sich zum Ziel, erstmals das Inventar der allgemeinen Wissenschaftssprache der Geisteswissenschaften auf empirischer Grundlage zu erschließen. Es will damit die Voraussetzung für die lexikographische Beschreibung dieses Sprachbereichs schaffen.

Hierzu werden aktuelle korpusmethodologische Werkzeuge und Erschließungsverfahren gezielt für den Bereich der Wissenschaftssprachforschung fruchtbar gemacht und damit ein systematischer Zugriff auf den allgemeinwissenschaftlichen Wortschatzbestand der Geisteswissenschaften ermöglicht.

Projektleitung: Prof. Dr. Christian Fandrych
Projektteam: Dr. Cordula Meißner, Dr. Franziska Wallner
Laufzeit: 2015-2017
Finanzierung: SMWK bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
Projekt-Homepage: http://research.uni-leipzig.de/gesig

Gesprochene Wissenschaftssprache: Deutsch im Vergleich zum Polnischen und Englischen (GeWiss)

Internationales Forschungsprojekt, gefördert von der Volkswagen-Stiftung.

Das Projekt setzt sich zum Ziel, eine empirische Grundlage für eine vergleichende Untersuchung der gesprochenen Wissenschaftssprache des Deutschen, des Englischen und des Polnischen zu schaffen, sowie auf dieser Basis ausgewählte sprachliche Routinen im Zusammenhang mit zentralen sprachlichen Handlungen qualitativ und kontrastiv zu analysieren. Zu diesem Zweck sollen drei Parallelkorpora erstellt werden, welche zwei zentrale Genres der gesprochenen Wissenschaftssprache erfassen: Vortrag mit Diskussion sowie Prüfungsgespräch. Die Korpora bestehen aus Video- und Audioaufnahmen, die nach einem einheitlichen System transkribiert und später auf Web-Basis auch der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Im Rahmen des hier beantragten Projekts wird das Kernkorpus erhoben, welches dann im Rahmen von Anschlussprojekten zu einem großen Referenzkorpus erweitert werden soll. Ein derartiges frei zugängliches Korpus zur gesprochen deutschen Wissenschaftssprache ist an sich ein dringendes Desiderat. Eine besondere Innovation - auch auf internationaler Ebene - stellt aber gerade die Vergleichsdimension dar. Vergleiche werden auf verschiedene Weise ermöglicht: Zunächst zwischen den drei Wissenschaftssprachen Deutsch, Polnisch und Englisch, daneben aber auch zwischen dem Wissenschaftsdeutschen in Deutschland, Polen und Großbritannien sowie zwischen der Wissenschaftssprache von Lehrenden und Studierenden.

Auf der Grundlage dieser empirischen Daten sollen dann solche sprachlichen Routinen qualitativ-kontrastiv untersucht werden, mithilfe derer sich Sprecher zu vorhandener Forschung positionieren (etwa: sich distanzieren, sich auf vorgängige Forschung berufen, etwas einordnen), eigene Thesen und Erkenntnisse einführen und argumentativ absichern, ihren Vortrag / das Gespräch gliedern und steuern sowie auf Hörer Bezug nehmen. Dabei liegt die Erkenntnis zugrunde, dass sich in den verschiedenen Wissenschaftssprachen jedenfalls teilweise unterschiedliche Routinen und Versprachlichungsformen entwickelt haben, die auch interessante Aufschlüsse hinsichtlich der Konzeptualisierung von wissenschaftlichem Arbeiten und Wissenschaftlichem Diskurs an sich geben. Gerade die sprachlichen Routinen haben in den letzten Jahren verstärkte Aufmerksamkeit erfahren, sind allerdings für die gesprochene Wissenschaftssprache praktisch noch nicht untersucht worden.

Die Forschungsergebnisse werden wichtige vergleichende Einblicke in die Leistungsfähigkeit und die Ressourcen moderner Wissenschaftssprachen geben und sind von höchster Relevanz für Forschungen zur interkulturellen Wissenschaftskommunikation, für die Angewandte Linguistik und auch für die Internationalisierung der Hochschullandschaft.

Projektleitung: Prof. Dr. Christian Fandrych
Projektpartner: Universität Wroclaw, Polen (Prof. Dr. Cirko), Aston University, Großbritannien (Prof. Dr. Reershemius)
Laufzeit: 2009-2012
Finanzierung: Volkswagen-Stiftung (2009-2012)
Fördersumme: 550.800 Euro über drei Jahre
Projekt-Homepage:

https://gewiss.uni-leipzig.de/


Hochschulpartnerschaft mit der Salahaddin Universität (SUH) in Erbil (Kurdistan)

Seit September 2011 besteht die deutsch-irakische Hochschulkooperation zwischen dem Herder-Institut der Universität Leipzig und der SUH, im Zuge derer eine Deutschabteilung am College of Languages eingerichtet wird. Das Projekt wird mit einer Fördersumme von ca. 300 000 Euro über eine Laufzeit von drei Jahren vom DAAD finanziell gefördert und bietet interessierten Studentinnen und Studenten erstmalig in der Region Kurdistan die Möglichkeit, Deutsch an der Universität zu studieren. Innerhalb von vier Jahren werden sie auf den Bachelorabschluss im Fach Deutsch als Fremdsprache vorbereitet. Das Curriculum des Studiengangs wird vom Herder-Institut in Zusammenarbeit mit der neuen Deutschabteilung in Erbil entwickelt.

Mehr Informationen unter Projekt BA-Studiengang in Erbil.

Projektleitung: Dr. Claus Altmayer (verteten durch Dr. Ursula Renate Riedner), Prof. Dr. Christian Fandrych, Prof. Dr. Erwin Tschirner
Projektteam: Albrecht Klemm (wiss. Mitarbeiter), Suzana Vezjak (wiss. Mitarbeiterin), Tabea El-Hokayem (WHK)
Kooperationspartner: Salahaddin Universität Erbil (SUH), Juliane Wicklein (DAAD-Lektorin), Nora Şevbihiv Sinemillioǧlu (DAAD-IC-Lektorin), Manuela Damzog (DAAD-Sprachassistentin)
Laufzeit:
2011 - 2013; zweite Förderphase 2014-2016
Finanzierung: DAAD
Fördersumme: ca. 300.000 Euro


Kontakt Leipzig

Telefon: +49 (0)341 / 9737446
E-Mail: erbil@uni-leipzig.de
Raum: GWZ 34.12

 

 

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