ABP ALPHA-BASIS-PROJEKT – ERWACHSENE NEULINGE EROBERN DIE SCHRIFT 1
(gesichtet von Mirjam Krull)

2007 von Meike Drittner und Martina Ochs bei Books on Demand erschienen ISBN: 978-3833483755; 22,00 €

Link: http://www.alpha-basis-projekt.de/

1. Zielgruppe:

Die Autorinnen richten sich mit ihrem Lehrwerk an „lese- und schreibunkundige Erwachsene und Jugendliche mit Deutschkenntnissen“ (Drittner & Ochs 2007: 1). MigrantInnen werden dabei gesondert und explizit als Ziel¬gruppe genannt, diese sollten allerdings ein mündliches Sprachniveau von A2 haben. Die Aus¬richtung auf Menschen mit Migrationshintergrund spiegelt sich auch in der Aufnahme des Buches in die Liste der für Integrationskurse zugelassenen Lehrwerke des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wider (Stand Oktober 2008). Im zweiten Band (inzwischen erschienen am 11.09.2008) soll der Migranten¬bezug auch deutlicher werden durch Integrations¬aufgaben, die mit einem Sternchen markiert sind und von L1-SprecherInnen ausgelassen werden können (Drittner 2008: Gastvortrag).

Es wird dabei eine Anwendung im institutionellen Rahmen angestrebt, Selbst¬lernende sollten aber grund¬sätzlich auch allein mit dem Buch arbeiten können (vgl. Punkt 7).

Thematisch ergeben sich keine Einschränkungen der Zielgruppe. Die behandelten Themen¬bereiche sind alltagsrelevant.

Bezüglich der geeigneten Gruppengröße für das Buch sei hier kurz darauf verwiesen, dass die Autorinnen ihr Lehrwerk in Kursen mit gemischten Gruppen, d.h. Deutschen und MigrantInnen, mit sechs TeilnehmerInnen bei Betreuung durch zwei Lehrende konzipiert haben und in diesem Rahmen auch nutzen.

2. Layout:

ABP Alpha-Basis-Projekt ist auf drei Bände angelegt. Der erste, hier besprochene Band ist seit 2007 erhältlich, Band 2 befindet sich in der Testphase. Der dritte Band ist noch in Planung.

Das erste Buch besteht aus dem Kurs- und Selbstlernbuch für Lehrende und Lernende sowie Zusatz­materialien, die über das Internet direkt bei den Autorinnen bezogen werden können. Da­zu gehören Kopier- und Folienvorlagen, Bilder zu diversen, im Buch behandelten Themen so­wie CDs, die alle Arbeitsaufträge und Diktate enthalten (siehe www.alpha-basis-projekt.de).

Der erste Band besteht aus sieben Lektionen unterschiedlicher Länge. Da das Buch für Lernende und Lehrende konzipiert ist, wird jeder Aufgabe der Arbeitsauftrag vorangestellt, dies teilweise sehr ausführlich, versehen mit didaktischen und methodischen Hinweisen. Diese Anweisungen sind in kleinerer Schrift gehalten als die zu lernenden Buchstaben. Selbige werden im Laufe des Buches sowohl rezeptiv (beim Erlesen) als auch produktiv kleiner. D.h. bei der Einführung der Buchstaben in den ersten Kapiteln werden sehr große Lücken zum Schreiben gelassen. Danach gibt es einen Wechsel zwischen großer und kleiner Schriftgröße und dem Platz, der dem Lerner gegeben wird, dies teilweise mit Hilfslinien, teil­weise komplett frei. Zum Teil ist der Platz zum Schreiben auf „Normalgröße/Kleingröße“ „zu­sam­men­geschrumpft“, d.h. ein geübter Schreiber kann in dieser Größe noch leserlich schreiben.

Jeder Arbeitsauftrag ist mit einem Symbol markiert, so dass sich verschiedene Übungstypen finden und zuordnen lassen.

Im Anhang finden sich ein Abschlusstest, Lösungen und Diktiervorlagen sowie ein Index mit allen aufgenommenen Wörtern und jeglicher Stelle des Vorkommens im Buch.

Das Buch ist größtenteils schwarz-weiß angelegt. In den ersten Kapiteln, bei der Einführung der Buchstaben mit Lautiertabellen, werden Konsonanten blau und die Vokale rot markiert, bei Einsetzübungen die bereits stehenden Buchstaben sowie die Lücken entsprechend ebenso rot und blau gekennzeichnet. Über das ganze Buch hinweg gibt es nur eine Schriftart (Times New Roman).

3. Lernziele:

Zu den Lernzielen gehört, dass die Lernenden am Ende des ersten Bandes „in der Lage [sind], die gebräuchlichsten Laute und Buchstaben einander zuzuordnen und ähnliche voneinander zu unterscheiden, Wörter zu durchgliedern sowie Satz- und Textstrukturen zu durchschauen.“ (Drittner & Ochs 2007: 1). Die KursteilnehmerInnen lernen zu lautieren, Buchstaben zu zeichnen, Silben zu bilden und zu erfassen. Sie können damit den Alltag bewältigen. Das Ziel der Autorinnen ist es, dass die Lernenden sich in ihrer Umwelt zurechtfinden, z.B. Plakate und Schilder verstehen oder kurze Mitteilungen schreiben können, aber auch, dass sie den Computer benutzen können. Zu der Umsetzung dieses Lernziels findet sich im ersten Band kein explizites Beispiel, es ist allerdings für die späteren Bände vorgesehen. Ebenso sollen im letzten Band die nun Schreib- und Lesekundigen mit Literatur arbeiten: „Der Abschluss des Projektes besteht in einer Heranführung an die Literatur. Der ästhetische Genuss von Texten sollte auch den Menschen zugänglich gemacht werden, die erst spät mit dem Lesen und Schreiben  begonnen haben.“ (www.alpha-basis-projekt.de)

Für den ersten Band sagen die Autorinnen, dass die TeilnehmerInnen an seinem Ende noch als AnfängerInnen einzustufen sind, denen die Routine fehlt. Diese wird erst in den folgenden Bänden gefestigt.

4. Progression:

Im ersten Kapitel werden mit Hilfe von drei Anlauttabellen alle Grapheme eingeführt, dabei auch wichtige Signalgruppen wie „pf“, „sch“ oder „eu“. Einige Grapheme werden nur aufgeführt, aber erst in den späteren Bänden thematisiert, so z.B. „ß“. Die Anlauttabelle des deutschen Alphabets sei hier aufgeführt:

© Alpha-Basis-Projekt. Erwachsene Neulinge erobern die Schrift 1, S. 13. Mit freundlicher Genehmigung der Autorinnen.

Anhand der Titel der folgenden Lektionen lässt sich die Progression ablesen:

Lektion 2 Von Lauten zu Wörtern [KVKV]

Lektion 3 Die Wörter werden länger [KVKVKVKV]

Lektion 4 Einführung in die Konsonantenhäufung

Lektion 5 Die Schulung des genauen Hinsehens

Lektion 6 Erste Schwierigkeiten bei der Lautierung

Lektion 7 Erstellen und Erlesen verschiedener Textarten (Drittner & Ochs 2007: 7ff.)

Es wird von Anfang an mit allen Buchstaben gearbeitet. Auch mit Rücksicht auf nicht deutschsprachige AdressatInnen wird mit leichten Wörtern begonnen, in denen sich Konsonanten und Vokale abwechseln (z.B. Nase, Sofa). Konsonantencluster wie „pr“ oder „schw“ werden erst ab Lektion 4 behandelt (vgl. Konsonantenhäufung). Lektion 5 dient der Vertiefung der Problematik. In Lektion 6 werden die Graphem-Phonem-Beziehungen und damit verbundene Schwierigkeiten thematisiert. Lektion 7 widmet sich der Texterstellung, z.B. mit Hilfe von Textbausteinen, die vorher zu erlesen sind.

Eine Progression findet nicht nur auf graphemischer, sondern auch auf grammatischer Ebene statt (Drittner & Ochs 2007: 4). Es werden vor allem Konkreta verwendet, die sich bildlich darstellen lassen. Danach wird der Artikel eingeführt, die Wörter werden komplexer und länger. Ab Lektion 4 werden systematisch Verben und Adjektive mit eingeführt. Ebenso werden die behandelten Themengebiete erweitert bzw. vertieft. „Am Ende der letzten Lektion haben die Schüler ca. 1125 Wörter verschiedenster Wortarten einmal oder mehrmals gelesen oder geschrieben.“ (ebd.)

s ist darauf hinzuweisen, dass nicht jedes Wort mit einem Bild eingeführt wird und nicht jedes Bild beim ersten Auftauchen bezeichnet wird. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf die bereits vorhandenen Deutschkenntnisse, die die Lernenden mit­bringen müssen.

5. Methodik:

Das Lehrwerk baut auf folgenden Methoden auf:

•  der synthetischen Methode

•  der Lautiermethode sowie

•  dem Stufenmodell.

Die Lautiermethode findet ihre Umsetzung mittels der drei Anlauttabellen im ersten Kapitel. Die Tabellen sind einmal getrennt in Vokal- und Konsonantentabelle (die Buchstaben werden dabei sowohl in Groß- als auch in Kleinschreibung eingeführt) sowie in eine dritte Tabelle mit der alphabetischen Reihenfolge der Buchstaben.

Die Idee des Stufenmodells wurde übernommen von Professor Clemens Knobloch, Professor für Germanistische Linguistik an der Universität Siegen. Er unterscheidet dabei drei Stufen, oder besser Schichten, die dabei nicht scharf getrennt sind, sondern einander überlappen:

•  die logographische Stufe, auf der Buchstaben (noch) als Bilder verstanden werden und nicht als Abstrakta,

•  die alphabetische Stufe, in der die Graphem-Phonem-Beziehungen bewusst wahrgenommen werden (diese Stufe soll mit dem ersten Band von Alpha Basis Projekt erreicht werden) und

•  die orthographische Stufe, die, wie der Name schon sagt, auf Regeln in der Schreibung abstellt (diese Stufe wird im zweiten Band thematisiert werden, im ersten Band soll weitestgehend darauf verzichtet werden).

Die Graphem-Phonem-Beziehungen sollen den Lernenden besonders durch die Durch­gliederung der Wörter in ihre Silbenstruktur verdeutlicht werden. Hier findet auch der Rückbezug zur synthetischen Methode statt. Die Silbensynthese findet dabei sowohl auf der produktiven als auch auf der rezeptiven Ebene statt.

Ein Ziel der Autorinnen ist es dabei, „nicht zum Auswendiglernen zu verführen“ (Drittner & Ochs 2007: 2), sondern die KursteilnehmerInnen auch Wörter erlesen zu lassen, die nicht unbedingt alltags­sprachlich sind, aber dafür sorgen, dass später alle Wörter entziffert werden können und nicht nur die häufig vorkommenden (ebd.).

Außerdem wird in Kapitel 6 für einige wichtige Graphemgruppen die IPA-Schreibung eingeführt, z.B. für die verschiedenen s-Laute und ihre graphemische Umsetzung im Deutschen. Ein Beispiel für den Einsatz der IPA-Lautschrift sei hier gegeben. Dieses verdeutlicht gleichzeitig auch die ausführlichen Lehranweisungen zur Umsetzung und zum Einsatz der Übung:

© Alpha-Basis-Projekt. Erwachsene Neulinge erobern die Schrift 1, S. 73. Mit freundlicher Genehmigung der Autorinnen.

6. Inhalt

Das Buch beginnt mit einer systematischen, aber dennoch themenbezogenen Alpha­betisierung. Mit den Themen „Essen/Trinken“, „Körper/Gesundheit“, „Zu Hause/Wohnen“ oder „Tiere/Freizeit“ wird ein Bezug zum Lebensalltag der Lernenden hergestellt, um so die Motivation und Nachhaltigkeit des Lernens zu fördern. Die Themengebiete werden dabei systematisch in den folgenden Lektionen aufgegriffen und erweitert. Die Bilder und Wörter bauen in den Übungen jeweils aufeinander auf. Dabei werden nicht nur Substantive/Konkreta bildlich dargestellt, sondern auch Verben und Adjektive.

Die neuen Wörter werden dabei in rezeptiven, reproduktiven und produktiven Übungen gefestigt und geprüft. Die Übungstypologie reicht dabei von „unvollständige Wörter ergänzen“ (einzelne Buchstaben oder Silben) über „Sätze bilden“ mit Hilfe von Bildern bis zu Diskrimi­nations­aufgaben, diese sowohl als Hör- als auch als Leseaufgaben, z.B. das Erkennen von Wortendungen. Mit Hilfe von Bilderrätseln, „Silbenweben“ (das Verbinden vorgegebener Silben) und Kreuz-und-Querspiele in jeder Lektion werden die neuen Wörter noch einmal wiederholt.

Es folgt jeweils ein Beispiel für die spielerischen Übungen als auch für die Einführung von Diskriminationsproblematiken:

© Alpha-Basis-Projekt. Erwachsene Neulinge erobern die Schrift 1, S. 32, S. 85. Mit freundlicher Genehmigung der Autorinnen.

7. Lernerautonomie

Das Lehrwerk kann sowohl von SelbstlernerInnen als auch von KursteilnehmerInnen/DozentInnen verwendet werden. Den Lehrpersonen wird dabei durch ausformulierte Arbeitsaufträge, die sehr aus­führlich sind und auch Zusatzaufgaben zur Auswahl stellen (vgl. oben, Abb. von S. 73), die Möglichkeit gegeben, binnen­differenziert im Unterricht vorzugehen. SelbstlernerInnen können sich in einem eigenbestimmten Lerntempo das Wissen aneignen. Dafür besteht die Möglichkeit, sich die Anweisungen aus dem Buch von Familienangehörigen oder Bekannten vorlesen zu lassen oder aber sich die Begleit-CD, von den Autorinnen selbst besprochen, zu bestellen (Drittner & Ochs 2007: 1). Alle Lösungen und verwendeten Begriffe sind im Anhang zu finden, so ist auch eine Selbstkontrolle möglich. Die selbstständige Verwendung des Buches ist von Anfang an möglich. Ohne die CDs ist man allerdings auf die Schreib- und Lesekundigkeit seiner Umgebung angewiesen. In einer nicht deutschsprachigen Umgebung könnten die teilweise komplizierten Aufgaben­stellungen allerdings eine Schwierigkeit darstellen.

8. Besonderheiten

Hier soll kurz auf den DaF-Kontext eingegangen werden. Die Alltagsrelevanz der Wörter bzw. Themen wurde oben bereits erwähnt. Es könnte allerdings zu Problemen kommen bei Wörtern wie „Knabe“, „Lanze“ oder „Haube“. Da im Buch keine Unterscheidung zwischen aktivem und passivem Wortschatz vorgenommen wird, könnte dieses, wenn nicht veraltete, so doch veraltende Vokabular Deutschlerner irritieren. Die Verwendung wird u.a. damit begründet, dass es gilt, alle Wörter zu erlesen und dem möglichen Wiedererkennungswert und damit dem Auswendiglernen vorzubeugen.

Ein wenig Unklarheit besteht bei der Einführung bzw. Nutzung der IPA-Lautschrift: Es wird in den Ausführungen für die Lehrperson nicht erklärt, welchen Nutzen die Lernenden aus der Ein­führung ziehen sollen. Die Zeichen werden leider nicht weiter verwendet oder thematisiert. Hinweise auf Stiftführung fehlen. Es wird dabei auf die Erfahrung der Lehrkräfte gesetzt (Drittner 2008: Gastvortrag).

Literatur und z usätzliche Quellen

Drittner, Meike & Ochs, Martina (2007), ABP Alpha-Basis-Projekt. Erwachsene Neulinge erobern die Schrift 1. Norderstedt: Books on Demand.

Drittner, Meike (2008), Gastvortrag am 16.6.2008 an der Universität Leipzig, Herder-Institut im Rahmen des Seminars „Alphabetisierung in der Zweitsprache Deutsch“.

BAMF (Hrsg.) (2008), Liste der zugelassenen Lehrwerke für den Integrationskurs (Stand: Oktober 2008). [Online: http://www.bamf.de/cln_011/nn_441806/SharedDocs/Anlagen/DE/Integration/Downloads/Integrationskurse/Lehrkraefte/liste-zugelassener-lehrwerke-pdf__IP.html?__nnn=true. 13.10.2008.]

http://www.alpha-basis-projekt.de [13.10.2008]