HAMBURGER ABC
(gesichtet von: Katharina Scharl und Katrin Mayer)

Wäbs, Herma (2001): Hamburger ABC. Alphabetisierung und Grundbildung für multinationale Lerngruppen (mehrbändige Arbeitsmaterialien).
Bestelladresse: Arbeitsgemeinschaft Karolinenviertel e.V., Grabenstr. 28, 20357 Hamburg


Überblick


© Hamburger ABC, S.12. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Wäbs (Hamburg 2001).

Das Hamburger ABC wurde im Laufe einer 16-jährigen Lehrpraxis entworfen (s. Wäbs 2001: ??) und setzt sich aus mehreren komplexen aufeinander aufbauenden Teilen zusammen, die teilweise wiederum in einzelne Hefte gegliedert sind. Trotz der Vielfalt des Materials ist eine klare Progression erkennbar:

„Im Interesse einer besseren Übersicht wurden die jeweiligen Teile des Lehrwerks – wie in Abb. 1: Überblick über das Lehrwerk Hamburger ABC (Wäbs 2001:12) schematisch dargestellt – dem entsprechenden Schwierigkeitsgrad zugeordnet.“ (Wäbs 2001: 19).

Dadurch spannen die systematisch aufeinander aufbauenden Unterrichtseinheiten den Bogen von der Alphabetisierung bis zum Deutschkurs.

Der Grundkurs, der als reiner Alphabetisierungskurs konzipiert wurde und Teil I des Lehrmaterials darstellt, kann als die Basis des Lehrwerks bezeichnet werden, zu dem ein umfangreiches Zusatzmaterial (1a-1e) vorhanden ist. Dem Grundkurs folgt als Teil II der Aufbaukurs, der eine Weiterführung und Festigung der schon vorhandenen Lese- und Schreibkompetenzen zum Ziel hat. Teil III des Lehrwerks, der Grammatikkurs, besteht aus Materialien, die einen Übergang von der Alphabetisierung zum Sprachkurs Deutsch als Zweitsprache durch den Erwerb neuer sprachlicher Strukturen zulassen. Zur Festigung und Erweiterung der bereits erworbenen Kenntnisse stehen fünf Themenhefte (Teil IV-VIII) zur Verfügung, die jeweils einzelne alltagsrelevante lexikalische Felder thematisieren. Die Hefte"Themenmix 1,2 und 3" (Teile IX-X) sind weitergehende Vertiefungen zum Grund-, Aufbau- und Grammatikkurs, die bereits ganze Texte und grammatische Übungen beinhalten. Neben den erwähnten Kursheften sind noch vielfältige Zusatzmaterialien (z.B. Spezial 1-4) erhältlich, die sich ebenfalls den definierten Schwierigkeitsgraden unterordnen und deswegen einen systematischen Einbezug in den Kurs ermöglichen.

1. Zielgruppe:

Das Lehrwerk Hamburger ABC beinhaltet neben den einzelnen Kursheften ein Heft zu den konzeptionellen Überlegungen des Lehrwerks.  In den Vorbemerkungen wird die Zielgruppe als „Migrantinnen und Migranten, die nie zur Schule gegangen sind oder eine andere Schriftform erlernt haben“ (Wäbs 2001: 1) definiert. Neben der Erst- und Zweitalphabetisierung werden als dritte Zielgruppe funktionale Analphabeten genannt, denen mit dem Hamburger ABC ebenfalls der Erwerb der Schriftsprache ermöglicht werden soll. Außerdem bietet das Lehrwerk allgemein die Möglichkeit zur Verwendung in der Sonderpädagogik, beispielsweise für Lernbehinderte. Laut der Vorbemerkungen eignet sich das Hamburger ABC besonders für den Einsatz in heterogenen LernerInnengruppen, deren Diversität sich durch unterschiedliche Muttersprachen, Lernvoraussetzungen und Lernerfahrungen der TeilnehmerInnen  auszeichnet.

Die Auswahl der Lexik richtet sich zuallererst nach ihrer Komplexität im Hinblick auf die Graphem-Phonem-Korrespondenz und die Silbenstruktur, d.h. zu Anfang werden ausschließlich Kurzwörter, die lauttreu sind, verwendet; erst nach und nach werden Wörter mit mehr als zwei Silben eingeführt. Die inhaltliche Auswahl der Wörter ist durch Alltagsbezug für die Zielgruppe gekennzeichnet, die die Lexik hinsichtlich der Themen und des Schwierigkeitsgrads angemessen erscheinen lassen. Beispielsweise handelt es sich bei der Auswahl des Wortschatzes anfänglich ausschließlich um reale, in der Lebenswelt der LernerInnen vorkommende  Objekte (Sonne, Tonne, See, Tee etc.), Eigenschaften (z.B. grün, rot, kalt) und Tätigkeiten (z.B. spielen, geben, hören, etc.), wobei im Grundkurs und Aufbaukurs Substantive stark überwiegen. Erst später werden die LernerInnen mit abstrakten Wörtern wie beispielsweise Funktionswörtern (z.B. Präpositionen in Teil III) konfrontiert. Auch die Themenauswahl ist erst innerhalb der höheren Niveaustufen des Lehrwerks anspruchsvoller, wie z.B. das Themenheft VII „Wissen zwischen Himmel und Erde“, wobei auch die Themenwahl der ersten Schwierigkeitsstufen nicht als banal charakterisiert werden kann, da es sich auch innerhalb dieser Schwierigkeitsstufe zwar um einen von seiner Struktur her einfachen Wortschatz handelt, der jedoch für den Alltag des Lerners bedeutend ist, wie z.B. Buch, Sonne, Schlüssel, Brötchen, Haus, Baum, Zigarette, Wespe, schreiben etc.. Gerade diese Beobachtung ist positiv hervorzuheben, da die LernerInnen als erwachsene mündige Menschen ernst genommen und angesprochen werden, die keine kognitiven oder emotionalen Defizite mitbringen, sondern einzig und allein nicht lesen und schreiben können.

Die Arbeitsanweisungen, siehe Abb. 2: Beispiel Syntheseübung (Wäbs 2001: 2), sind so einfach wie möglich gehalten, beispielsweise durch die Verwendung des Infinitivs anstatt flektierter Verbformen, damit die Lernenden bestenfalls selbst herausbekommen können, was bei der Übung zu tun ist.


© Hamburger ABC, S.2, Abb2. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Wäbs (Hamburg 2001).

2. Layout:

Das Lehrwerk ist besonders durch seine Illustrationen und Klarheit, wie in Abb. 3,  ansprechend. In den Anfangswerken beschränkt sich die bildliche Darstellung auf schlichte Zeichnungen, die in ihrem Bezug eindeutig sind, weil jedes Bild nur einen einzigen Gegenstand darstellt und so die Interpretation der Bilder erleichtert wird.


© Hamburger ABC, S.4, Abb.3. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Wäbs (Hamburg 2001).

Die LernerInnen werden infolgedessen durch die Bilder nicht überfordert oder vom Wesentlichen abgelenkt. Lexikalisch verursachte Verständnisschwierigkeiten lassen sich anhand der Bilder überbrücken, genauso kann neue Lexik über die Illustrationen erschlossen werden, was eine gewisse Lernerautonomie ermöglicht. Folglich sind die bildlichen Darstellungen Grundlage zur Semantisierung von neu eingeführten Wörtern. Auch wenn es sich nicht um authentische Bilder, sondern um Zeichnungen handelt, wirken sie keineswegs kindlich - Verniedlichungen, Karikaturen oder Diskrepanzen zu den realen Objekten, wie sie in vergleichbaren Werken auftauchen und dort unseres Erachtens demotivierend wirken, lassen sich im Hamburger ABC nicht beobachten. Es wird dabei versucht, jedem gesuchten Wort eine Illustration zuzuordnen.


© Hamburger ABC, S.2, Abb.4. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Wäbs (Hamburg 2001).

In den Heften des Deutschkurses (Teil III bis VII) sind neben den Zeichnungen teilweise auch authentische Materialien integriert, z.B. Zeitungsausschnitte. Jedoch fehlt im gesamten Hamburger ABC der Einsatz von Farben; es wird lediglich mit Schwarz-Weiß-Schattierungen gearbeitet. Bemängelt werden kann daran, dass eine Arbeit mit Symbolfarben die Wiedererkennung der Aufgaben und Ziele erleichtern könnte und dadurch die Systematik des Lehrwerks wie auch das eigenständige Lernen unterstützt werden könnte. Um einen Überblick über den Lernfortschritt zu ermöglichen, zeigt die Kopfzeile, (Abb. 5) im Grundkurs immer an, welcher Buchstabe bereits eingeführt wurde (Normalschrift) und welcher Buchstabe gerade neu eingeführt wird (schattiert und unterstrichen). Die konturierten zeigen an, welche Grapheme noch fehlen und erst im weiteren Verlauf des Kurses eingeführt werden.

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Au Ei Äu Ä Ö Ü Ch Sch

a  b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z au ei eu äu ä ö ü ch sch ß

© Hamburger ABC, S.2, Abb.5. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Wäbs (Hamburg 2001).

Zusätzlich wird im Grundkurs in der Kopfzeile darauf hingewiesen, auf welcher Seite sich zur Verfügung stehende Ergänzungsübungen finden lassen, welche Themen schon behandelt wurden, welche momentan thematisiert werden und welche noch fehlen. Somit ist die Grundlage für eine übersichtliche Gliederung der einzelnen Lernschritte und ein systematischer Aufbau des Lehrwerks geschaffen.

Auch wenn im Hinblick auf den Preis die ökonomische Reduktion durch den Verzicht auf bunte Fotos zweckmäßig erscheint, so leidet der äußerliche Eindruck, trotz des Einsatzes von Schattierungen und Zeichnungen doch etwas unter der fehlenden abwechslungsreicheren Gestaltung, durch z.B. Fotos oder Farben.

3. Lernziele:

Das Lehrwerk führt die LernerInnen schrittweise vom Alphabetisierungskurs, der mit dem Grundkurs (Teil I) beginnt, über die Vertiefung im Aufbaukurs (Teil II) zum Deutschkurs (Teile III-XI), der sich auf die weiterführenden Materialien erstreckt. Durch die durchgängige Fokussierung auf die primäre Zielgruppe der Migranten eignet sich das Hamburger ABC hervorragend auch für integrierte Kurse.

Im Grundkurs, der sich die Einführung der Laut-Buchstaben-Beziehungen zur Aufgabe gemacht hat, wird viel Wert auf die Ausbildung der akustischen Diskriminierungsfähigkeit  gelegt, die durch Lauterkennungs- und Lautdifferenzierungsübungen ausgebildet werden soll, um dadurch zur Beherrschung der Lese- und Schreibtechnik von einzelnen Wörtern zu gelangen. Dabei sollen gesprochene Wörter gelesen und verstanden und im Anschluss daran schriftlich wiedergegeben werden können. Im Fokus stehen dabei wie schon erwähnt die Laut-Buchstabenbeziehung, das verstehende Lesen und die Ganzworterkennung.  Neben der reinen Alphabetisierung wird bereits im ersten Teil mit dem Aufbau eines Grundwortschatzes begonnen.

Der Aufbaukurs hat das Ziel, schon erworbene Kompetenzen hinsichtlich der Laut-Buchstabenbeziehung zu festigen und langsam auf die Satzebene auszuweiten. Wenn Sätze gelesen und geschrieben werden können, folgt das Lesen, Verstehen und Schreiben kleinerer Texte (Teil IIa). Innerhalb des zweiten Teils soll der Lerner/ die Lernerin langsam an das freie Schreiben herangeführt werden. Dazu muss er langsam, aber sicher eine eigene Handschrift und ein Schriftsprachgefühl ausbilden.

In Teil III, dem Grammatikkurs, kommen zu den Zielen, welche allein die Alphabetisierung betreffen, erste Lehrziele des Deutschkurses hinzu. Neben Lese- und Schreibübungen sollen die Lerner sich erstmals innerhalb kleiner Grammatikübungen mit Strukturen des Deutschen befassen, indem sie diese erkennen und in einem darauf folgenden Schritt anwenden sollen.

Die Teile IV-VIII, die so genannten Themenhefte, widmen sich dem Aufbau eines differenzierten Wortschatzes und der Festigung durch wiederholendes Üben, was durch die Arbeit mit den fünf Themenheften erreicht werden soll.

Themenmix 1-3 als Teil IX bis XI, von dem sich jeweils ein Heft auf den Aufbaukurs, den grammatischen dritten Teil und den weiterführenden Deutschkurs bezieht, sowie Teil Ia-Ie ermöglichen eine Ausweitung oder Verkürzung der einzelnen Kursteile des Grund- und Aufbaukurses, damit die Lehrziele an die Bedürfnisse der LernerInnen angepasst werden können.

Die Hefte Spezial 1-4 sind ebenfalls Zusatzmaterialien, die der Wiederholung, Vertiefung und der Kompetenzfestigung und -erweiterung dienen sollen. Das Bildwörterbuch mit Übungsheft (Spezial 1) trägt mit seinen Übungen zu den Artikeln, den Nomen, den Adjektiven und den Verben zur Einführung der Wörterbucharbeit bei.

In der folgenden Abb. 6 sind die Nomen mit Artikel und Pluralbildungen angegeben, Verben stehen im Infinitiv sowie in der 3. Person Singular Präsens, Präteritum und Perfekt. Die Adjektive sind mit Steigerungsformen aufgeführt.


© Hamburger ABC, S.11, Abb.6. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Wäbs (Hamburg 2001).

 Mit Hilfe der Einführung in die Schreibschrift – Schulschrift C (Spezial 2) werden die LernerInnen an die Schreibschrift - Schulschrift C herangeführt (Abb. 7). Primär soll auf die Schreibrichtung, den Rhythmus und den kontinuierlichen Schreibfluss geachtet werden.


© Hamburger ABC, S.11, Abb.7. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Wäbs (Hamburg 2001).

Die Bildergeschichten mit Anhang (Spezial 3) sind sehr gut zur Schulung des mündlichen und schriftlichen Sprachgebrauchs geeignet. Sie bieten als Lernbaustein mit dem Thema Gesundheit, vielseitige Einsatzmöglichkeiten, z.B. als Leseübungen und zum verstehenden Zuhören, zum verstehenden Lesen und dem Zuordnen von Sätzen, zum freien Sprechen und als erste Schritte zum freien Schreiben. Anhand von Bildern, Fragen und Sprechübungen werden in dem Heft Wir sprechen, lesen und schreiben (Spezial 4) simple, funktionale Ausdrücke erlernt und erweitert, die dann zu komplexeren Satzstrukturen führen. Als Ziel ist die Entwicklung des Hörverstehens und freien Sprechens einfacher Alltagssätze angegeben.

Zurzeit wird das Hamburger ABC nach der Integrationsverordnung des BAMF (www.bamf.de) bis zum Basissprachkurs, der sich auf Niveau A1 des GER bewegt, weiterentwickelt (Lit.: Volkshochschule Essen, Handreichungen für Kursleitende in niederschwelligen Sprachkursen unter Berücksichtigung der Alphabetisierungsarbeit mit Migrantinnen und Migranten, Essen Februar 2007; eine Ergänzung zum zweiteiligen Curriculum des Konzepts für die interkulturelle Arbeit der Stadt Essen).

Weil das Hamburger ABC gleichermaßen für schul- und schreibungewohnte wie auch für LernerInnen ohne oder mit wenigen Deutschkenntnissen konzipiert ist, benötigen die LernerInnen keine weiteren Voraussetzungen, um damit erfolgreich zu arbeiten. Das offene Konzept des Lehrwerks erlaubt es, verschiedene Vorerfahrungen wie z.B. Schriftsprachkompetenzen in einem nichtlateinischen Schriftsystem (z.B. Teil Ib) zu berücksichtigen. Der unterschiedliche Leistungsstand kann durch ergänzend angebotene Materialien überbrückt werden, so dass die Progression variiert und an die LernerInnen angepasst werden kann. Diese flexible Gestaltung macht das Lehrwerk auch für  lerngewohnte, mit Schrift vertraute LernerInnen einsetzbar und stellt unseres Erachtens einen besonderen Vorzug dieser Materialien dar. 

4. Progression:

Im Grundkurs äußert sich die übersichtliche Struktur und die klare Progression des Hamburger ABCs besonders in der systematischen Einführung der einzelnen Laute und den dazugehörigen Buchstaben. Die Vokale werden parallel zu den Konsonanten eingeführt, wobei hier nach dem Prinzip, das sich aus den Möglichkeiten ergibt, mit den Buchstaben Kleinwörter zu bilden, vorgegangen wird. Begonnen wird mit dem Vokal <a> und dem sich anschließenden Konsonanten <t>, worauf der Reibelaut [r] folgt. Dann kommt nach dem Kennenlernen des <i> und <o> das <n> und nach dem daran anschließenden <e> der Frikativ [s], der Liquid [l] und der Reibelaut [w]. Nach der Thematisierung des letzten Vokals <u> schließt sich der zweite nasale Laut [m] an. Laute, die durch orthographische oder sonstige Besonderheiten auffallen, werden gesondert eingeführt, so beispielsweise die sich nun anschließende Lautverbindung [au]. Nach der Einführung des Frikativs [f] und des Lenis-Plosivs [d] folgt der Diphthong [ei] als eigenständiger Laut. Nach der sich anschließenden Vorstellung des Hauchlauts [h], den Plosiven [b] und [p], [k] und [g] und dem <j> werden <c>, <ch> und <sch> gemeinsam behandelt.

Die Umlaute <ä>, <ö> und <ü> bilden wieder eine Einheit, bei der die didaktische Chance genutzt wird, auf die Pluralbildung und den Artikel einzugehen. Die Diphtonge <eu> und <äu> werden wegen ihres identischen Klangs, aber ihrer unterschiedlichen graphischen Realisation nacheinander thematisiert. Dann folgt das <ß>, wobei die Konsonantendoppelung <ss> an dieser Stelle überraschenderweise noch nicht betrachtet wird. In Anschluss daran wird das <v> vor dem <qu> eingeführt, dann schließt sich die parallele Vorstellung von <x> und <y> an und die Thematisierung des <z> bildet den Schluss des Erlernens der Laut-Buchstaben-Verbindungen. Nachdem alle Laute und ihre schriftliche Realisation bekannt sind, wird im Grundkurs ausschließlich mit lauttreuen Wörtern gearbeitet.

Der Aufbau zeigt sich über die Einführung der Laut-Buchstaben-Beziehung hinaus in der differenzierten, aufeinander aufbauenden Übungsabfolge.

Begonnen wird in jeder Lerneinheit mit Hörübungen zur Lautdifferenzierung und  Lauterkennung im Wort. Darauf folgen dann Leseübungen und Schreibübungen.

DurchZusatzmaterialien zum Grundkurs (Teile 1a-1e und Teil IX) kann neu erworbenes Wissen gefestigt und vertieft werden oder aber die einzelnen Lernschritte je nach Lernerbedürfnis ausgedehnt oder verkürzt werden. Der Teil 1a Grundkurs Vertiefung bietet ergänzende Übungen zum Grundkurs, wie das Identifizieren, das Erkennen und Einsetzen von Buchstaben, gleichermaßen Lauterkennungsübungen, Wort- und Satzübungen. Der Teil 1b Grundkurs Kompakt eignet sich vorwiegend für Teilnehmer mit Lernvorerfahrungen in einer nicht-lateinischen Schriftsprache und ist als Verdichtung des Grundkurses zu verstehen. Die Wortübungen sind in drei Lernschritte unterteilt: Leseübung; Wort/Bild- Zuordnung;  Bilderdiktat. Mit den Wort-Bild-Karten (bildlich dargestellte Nomen, Verben, Adjektive) aus Teil 1c wird der gesamte Grundwortschatz von 160 Wörtern gefestigt. Durch langsames Lautieren und Verbinden der Laute wird das Wort gelesen und kann anhand eines Bildes auf der Rückseite der Karte überprüft werden. Diese Karten eignen sich unter anderem auch als Vokabellernhilfe und motivieren zum Selbstlernen. Zur Förderung der Laut- und Buchstabenidentifikation ist der Teil 1d Buchstabensalat hilfreich, da durch Dehnsprache Wörter in Laute zerlegt werden und über Laut-Buchstaben-Zuordnung als Schriftbild wiedergegeben werden sollen. Mit den Buchstabenkarten lassen sich die Wort-Bild-Karten sinnvoll kombinieren. Das Teil 1e Bilder-Lotto fördert und ergänzt spielerisch individuelles und gemeinsames Lernen des Grundwortschatzes.

Der besondere Fokus des Grundkurses auf der Laut-Buchstaben-Beziehung zeigt sich in den dafür hilfreichen Lautdifferenzierungs- und Identifizierungs- sowie auch in den Dehnungsübungen zur Vokalquantität (kurz/lang). Dabei ist das Verhältnis Vokal-Konsonant bei der Einführung der Buchstaben ausgewogen, wobei nur mit einfach strukturierten, lauttreuen Wörtern gearbeitet wird wie z.B. Foto, Banane, Ente, die nur ein- bis höchstens dreisilbig sind und darüber hinaus eher offene Silben aufweisen.

Im Aufbaukurskommen zu den kurzen Wörtern nach und nach längere dazu, sodass die LernerInnen auch schon fünf- bis sechssilbige Wörter lesen und schreiben sollen. Dabei werden komplexe Konsonantenverbindungen (z.B. –pfst bei der Verbkonjugation 2. Person Singular) schrittweise eingeführt, was eine assoziative Verknüpfung der Laute und Buchstaben weiter voranbringt und die Bewältigung komplexerer Lexik ermöglicht (z.B. Komposita). Die Übungstypen zur Lauterkennung und –differenzierung werden durch Einsetzübungen erweitert, bei denen die LernerInnen mit der akustischen Differenzierung auch schon orthographische Regeln erkennen (z.B. Konsonanten- und Vokaldopplungen) oder aber den An-, Mittel- und Endlaut identifizieren sollen. Neben der Bewältigung differenzierterer Lexik geht es zu Beginn des Aufbaukurses noch um die Fähigkeit der Silbenerkennung und -differenzierung, die sich noch auf der Wortebene abspielt, um daran einen Übergang vom Wort zum einfachen Satz zu ermöglichen. Ist dieser Schritt vollbracht, so schließen sich nach und nach kleine Texte, die gelesen und verstanden werden sollen, an. Neben Leseübungen, bei denen das Gelesene Bildern zugeordnet werden soll - wodurch das Verständnis des Gelesenen überprüft und ein Erraten der Wörter verhindert (wird in Überforderungssituationen)- stehen noch zwei neue Übungsformen zum Schreiben zur Verfügung: Zum einen sollen die LernerInnen beginnen, Wörter zu entsprechenden Bildern aus ihrem Gedächtnis heraus aufzuschreiben, ohne diese zuvor zu lesen. Zum anderen beginnen die LernerInnen mit dem so genannten Sprechschreiben (Vorwort/ methodisch – didaktischen Rahmen, Aufbaukurs – vom Wort zum Satz, S. IV), bei dem sie gemäß ihrer eigenen akustischen Wahrnehmung schreiben.

Teil III öffnet den Alphabetisierungskurs in Richtung Deutschkurs, indem erstmals Grammatikübungen in das  Lehrwerk integriert werden, die von nun an fester Bestandteil sind. Die Steigerung des Schwierigkeitsgrades läuft fortan durch die Einführung neuer Lexik, die sich in immer anspruchsvolleren Texten findet, die die Grundlage der Themenhefte darstellen. Zusätzlicher Wortschatz wird also nicht anhand externer Wörterlisten eingeführt, sondern ergibt sich durch die thematische Textauswahl in den Teilen IV bis VIII. Die sich daran anschließende produktive Verwendung grammatischer Strukturen wird in den Teilen X und XI (Themenmix 2 und 3) verstärkt geübt und bildet dabei den Abschluss des Deutschkurses.

Es sind zahlreiche Wiederholungen im Lehrwerk vorzufinden, wobei gerade das Zusatzmaterial zu den einzelnen Teilen für diesen Zweck erwähnt werden muss.  Die Wiederholungen sollen den Automatisierungsprozess durch den Effekt der Wiedererkennung stützen. Anfänglich sind die Übungsformen eher gelenkt, erst im Verlauf  werden sie offener und haben eine freie Produktion zum Ziel.

Die durchgängige Schriftart ist die Druckschrift, da es die am häufigsten vorkommende Schriftart ist und eine gleichzeitige Einführung von Druck- und Schreibschrift die Lerner, je nach Lernvoraussetzungen, überfordern kann (Vorwort/ Methodisch-didaktischer Rahmen des Hamburger ABC). Für diejenigen, die die Schreibschrift (Schulschrift C) erlernen möchten, wird ein gesondertes Arbeitsheft (Spezial 2) angeboten.

5. Methodik:

In jedem einzelnen Band sind im Vorwort neben den Angaben zur Zielgruppe auch Hinweise zum didaktisch-methodischen Rahmen sowie Erläuterungen zum schrittweisen Vorgehen der Alphabetisierung enthalten.

Beim Lehrwerk Hamburger ABC haben wir es durchgängig mit der Lautiermethode zu tun, die zu den synthetischen Verfahrensweisen in der Alphabetisierung gehört und die im Hamburger ABC äußerst konsequent umgesetzt wird: Beginnend bei der Lautdifferenzierung und der Laut-Buchstabenzuordnung weiterführend zur Silbe und dann zum einfachen, lauttreuen Wort. Bei dem hier gesichteten Lehrwerk ist positiv anzumerken, dass sich die Einführung neuer Lexik stetig an die Notwendigkeit hält, keinen Buchstaben innerhalb der neuen Wörter zu verwenden, der den LernerInnen noch unbekannt ist und deswegen nicht gelesen oder geschrieben werden kann. Vom Wort geht es folglich zum Satz und dann langsam zum Text, wobei beim Grundkurs auf das Lesen besonders geachtet wird, da die Lerner die einzelnen Laute über das Lesen erlernen sollen. Die Fertigkeit Hören ist zur Lautdifferenzierung unausweichlich und nimmt aus diesem Grund einen wichtigen Stellenwert gerade in der Anfangsphase ein, indem reichlich Übungen zur Lautwahrnehmung angeboten werden. Spätestens nach der Einführung aller Laute und ihrer orthographischen Realisierungen stehen die Fertigkeiten Lesen und Schreiben in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander. Auch das Hören hat seinen ausgewiesenen Platz innerhalb des ersten und zweiten Teils. Auf die Fertigkeit Sprechen wird jedoch im Grundkurs noch sehr wenig eingegangen. Gerade die freie mündliche Produktion wird erst ab dem Aufbaukurs durch intensivere Übungen aufgegriffen.

Die Übungstypen des Grundkurses gliedern sich in:

a) Schreibübungen

b) Lautdifferenzierungsübungen

c) Leseübungen

d) grammatische Übungen

 a) Schreibübungen, wie beispielsweise  Nachschreibübungen mit Augenmerk auf Bewegungsablauf und Schreibrichtung um zu einer  Formenerfassung der einzelnen Buchstaben und -Verbindungen zu kommen. Zu Beginn ist das Schreiben der neuen Buchstaben die vorherrschende Schreibübung. Eine später eingesetzte Übungsform ist das Finden von Wörtern in einem Buchstabensalat und das anschließende Schreiben dieser Wörter oder aber das Einsetzen von Buchstaben in Lücken. Bei diesen Übungsformen handelt es sich jedoch nicht um ausschließliche Schreibübungen, da die Aufgaben meistens eine Lautidentifikation bzw. -differenzierung beinhalten. Andere Übungsformen wie z.B. die oben besprochene Einsetzübung integrieren das Lesen als Ausgangsbasis für den Schreibprozess. Genauso geht das Lesen dem Schreiben bei den Wortübungen voraus, da das betreffende Wort erst gelesen, dann ab- und erst danach aus dem Gedächtnis aufgeschrieben werden soll. Der Sinn der Satzübungen besteht darin, dass Wörter zuerst im Satzzusammenhang gelesen und verstanden werden sollen, bevor sie geschrieben werden.

b) Trotz dieser Kombination von Fertigkeiten in den einzelnen Aufgaben sind auch klassische Lautdifferenzierungsübungen zu erkennen, die der  Erarbeitung der Laut-Buchstabenbeziehungen dienen. Lauterkennungsübungen äußern sich in Aufgaben wie beispielsweise dem Bilderdiktat, bei dem auf die Erkennung von An- und Auslaut abgezielt wird, oder den Zuordnungsübungen, bei denen ein Wort dem entsprechenden Bild zugeordnet werden soll, wobei sich die Wörter immer nur im Anlaut unterscheiden. Diese Übungen zur akustischen Wahrnehmung von Lauten sind kennzeichnend für den Grund- und den Aufbaukurs und in den darauf folgenden Teilen des Deutschkurses immer weniger zu finden.

c) Eine dominante Leseübung findet sich in den Syntheseübungen, bei denen z.B. Buchstabenfolgen in Lautfolgen übersetzt werden (T + a = Ta, Ta + t = Tat) und dadurch die Wahrnehmung verschiedener Lautkombinationen und das Zusammenziehen von Einzellauten zu Silben und dann zu Wörtern erreicht werden soll.

Das Ziel der Förderung akustischer wie auch visueller Differenzierungsfähigkeit soll mit Aufgaben des so genannten „Aufbauenden Lesens“ (Vorwort/ methodisch – didaktischer Rahmen, Grundkurs S. IV) erreicht werden, indem Buchstabe für Buchstabe zum Wortanfang hinzugefügt wird und dadurch ebenfalls eine Synthese der Einzellaute zur Silbe zum Wort erreicht werden kann.

d) Auch wenn der Grundkurs ausschließlich der Alphabetisierung dient, so finden sich doch schon einige grammatische Übungen, die den Erwerb der deutschen Sprache zum Ziel haben: den Gebrauch des bestimmten und unbestimmten Artikels (Übung zum Artikel) sowie Übungen zur Singular- und Pluralbildung, bei denen Artikel, Endungen und Umlaute beachtet werden sollen. Als dritte grammatische Übungsform innerhalb des Teil I findet sich die Verbübung, bei welcher Umformungen von Verben mit <ß> und <ss> in die 3. Person singular geleistet werden sollen. Bei allen grammatischen Übungen im Grundkurs wird von einer Vermittlung von Regeln abgesehen.

Leider fehlen schreibmotorische Vorübungen, wie z.B. Schwungübungen, die den  spielerischen Umgang mit dem Stift zu fördern und um Feinmotorik für Schreibungewohnte zu schulen, die in dem hier vorliegenden Fall durch den Lehrer initiiert werden müssen.

Die Übungstypen des Aufbaukurses unterscheiden sich, wie schon angedeutet, nicht grundlegend von denen im Grundkurs, auch wenn der Schwierigkeitsgrad zunimmt. Die Übungsformen des Aufbaukurses gliedern sich in fünf Übungstypen, die ebenfalls die Fertigkeiten Hören, Schreiben und Lesen umfassen, freies Sprechen wird dabei noch nicht thematisiert. In den Übungen zur „akustisch und visuellen Differenzierung“ von Lauten und Buchstaben soll erneut das Erkennen und Benennen von Lauten innerhalb von Silben und Wörtern geübt werden. Im zweiten Übungstyp, den Gliederungsübungen, geht es einerseits um Sprech-Schreibübungen, die die Buchstaben-Lautzuordnung erleichtern sollen, und andererseits soll mit Übungen zur Satzbildung (Abb. 8)  die bewusste Wahrnehmung einzelner Satzteile sowie auch das automatisierte Lesen und Schreiben unterstützt werden.


© Hamburger ABC, S.4, Abb.8. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Wäbs (Hamburg 2001).

Die speziellen Übungen zum automatisierten Lesen und Schreiben dienen der Wiederholung und dem Sicherheitsgewinn durch einen begrenzten und sich wiederholenden Wortschatz, damit das Buchstabenlesen in ein Ganzwortlesen überfließen kann. Das sinnverstehende Lesen ist der vierte, erstmalig vorkommende Übungstyp, bei dem die gelesenen Wörter nicht nur gelesen, sondern auch verstanden werden sollen, z.B. in Aufgaben wie der Wort- bzw. Satz-Bildzuordnung. Auch der letzte Übungstyp  lässt die langsame Steigerung der Anforderungen im Aufbaukurs erkennen: das freie Schreiben mit Aufgaben z.B. Bildergeschichten, die auf ein erstes Bilden von Sätzen abzielen.

Der dritte Teil (Grammatikkurs) des Hamburger ABC umfasst Übungen für die Einzelarbeit zum jeweiligen grammatischen Thema, z.B. Satzumstellungen bei der Thematisierung von W-Fragen. Bei den Übungen zu den Verben (Abb. 9) sollen diese zuerst im Präsens richtig konjugiert werden. Danach werden die Sätze ins Perfekt gesetzt und zum Schluss sollen mit beiden Zeitformen Sätze gebildet werden.


© Hamburger ABC Infomaterial, S.4, Abb.9. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Wäbs (Hamburg 2001).

DieTeile IV bis VII, die die fünf Themenhefte umfassen, beinhalten neben der Leseaufgabe und persönlichen oder textuellen Fragen auch einige Aufgaben zum freien Schreiben, die zum Formulieren von kleinen Texten anregen sollen. Die dazugehörigen Grammatikblätter enthalten Aufgaben zum bewussten Wahrnehmen von Satzstrukturen.

Die Teile IX, X und XI des Lehrwerks (Themenmix 1, 2 und 3) beinhalten erstens ein Wortschatztraining mit Abschreib-, Silbentrennungs- und Zusammenführungsaufgaben sowie einem Bilderdiktat (Abb. 10) oder alternativ Hörverstehensübungen mit multiple-choice-Aufgaben (z.B. Themenmix 3).


© Hamburger ABC Infomaterial, S.5, Abb.10. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Wäbs (Hamburg 2001).

Darauf folgen zweitens Satzübungen, bei denen Sätze gelesen und beantwortet werden müssen. Abb. 11 zeigt eine entsprechende Illustration.


© Hamburger ABC Infomaterial, S.6, Abb.11. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Wäbs (Hamburg 2001).

Grammatikübungen, wie in Abb.12, bilden den dritten Übungstyp, bei denen Gesetzmäßigkeiten nicht explizit erklärt, sondern durch wiederholtes Üben lediglich implizit gelernt werden sollen.


© Hamburger ABC Infomaterial, S.6, Abb.12. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Wäbs (Hamburg 2001).

Neu innerhalb des Themenmix-Materials ist das ausgewiesene Sprechtraining (Abb. 13), innerhalb dessen Fragen anfänglich erst schriftlich beantwortet werden sollen, damit beim späteren freien Frage-und-Antwort-Dialog keine Sprechhemmungen entstehen.


© Hamburger ABC Infomaterial, S.8, Abb.13. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Wäbs (Hamburg 2001).

 Sprechen wird über das Material Themenmixhinaus besonders im Spezial 4 „Wir sprechen, lesen und schreiben“ zum Thema gemacht.

Den Abschluss jedes Themenmix bilden die beiden Testformen, wobei der erste als reine Übung zur Wiederholung, Bewusstmachung und Überprüfung des bereits Gelernten anzusehen ist, das dem Lerner seinen Lernerfolg verdeutlichen soll. Der  Abschlusstest ist dagegen eher für den Kursleiter konzipiert, damit er die Lernfortschritte seiner Schüler überprüfen und so eine individuelle lernerbezogene Kursplanung vornehmen kann.

Anzumerken ist, dass phonetische Übungen, die dem Kennen lernen neuer Lautbilder dienen sollen, leider nur im Spezial 1, dem Bilderwörterbuch, vorzufinden sind. Ansonsten vereint das Material Spezial 1 bis 4 darüber hinaus Übungen zum Wortschatztraining und zur Grammatik, wie beispielsweise Übungen zu den einzelnen Wortarten (Nomen, Artikel, Adjektive und Verben).

6. Inhalt:

Die zu Beginn noch kurzen und einfachen Wörter sind im Grundkurs, im Aufbaukurs und den dazugehörigen Zusatzmaterialien (1a-1e; IX) nach den schon eingeführten Buchstaben und Lautverbindungen ausgewählt. Nach Angaben im Vorwort richtet sich die Auswahl der Lexik nicht nur nach deren Häufigkeit, sondern besonders nach ihrer Alltagsrelevanz, auf welche besonders viel Wert gelegt wird, da es ein grundlegendes Ziel des Lehrwerkes ist, die Lernerinnen für Alltagssituationen zu befähigen und ihnen die Möglichkeit zu eröffnen, leichter soziale Kontakte zu knüpfen.

In den weiterführenden Teilen IV bis XI des Lehrwerks wird durch die Behandlung wichtiger Themen der Wortschatz ständig erweitert, wie etwa:

DasThemenheft Wohnen, das die einzelnen Wohnräume bespricht, das Themenheft Gesundheit, bei dem es um Körperteile und Krankheiten und den Besuch beim Arzt geht, das Themenheft Essen und Trinken, das Themenheft Kalender, welches Daten, Feste, Feiertage vorstellt und in welchem auch die Zahlen eingeführt werden usw. Die anspruchsvollste inhaltliche Auswahl findet sich im letzten Themenheft „Wissen zwischen Himmel und Erde“, das unser Wetter, die Gezeiten, Klima und andere Naturphänomene erläutert. Dabei ist bei der Behandlung jedes Themas nur das relevant, was die Lebenswirklichkeit der LernerInnen anspricht, d.h. was im Leben der LernerInnen Relevanz besitzt oder was bei Ihnen auf Interesse stößt.

Bei den Materialien oder Übungsformen, bei denen der Erwerb grammatischer Grundkenntnisse im Vordergrund steht, wird – allgemein formuliert – weniger auf die Vermittlung expliziter Regeln abgezielt, als vielmehr auf das implizite Erlernen struktureller Regelmäßigkeiten durch systematisches Üben und Anwenden. Es herrscht dementsprechend eher das Ziel des bewussten Lernens vor.

Auf elementare grammatische Regeln wird erst innerhalb der höheren Leistungsstufen gesondert eingegangen, wie z.B. im Themenmix 3, in dem man Übungen zu W-Fragen, zur Konjugation von Verben im Präsens und Perfekt, zur Satzbildung und zu Adjektiven findet. Das Hamburger ABC bietet durch seinen Werkstattcharakter eine zahlreiche und variantenreiche Auswahl an Basis- und Zusatzmaterialien, die eine ausgewiesene individuelle Förderung und eine binnendifferenzierte Kursplanung möglich machen. Diese Materialflexibilität kann als das wesentliche Merkmal des Lehrwerks, oder besser der Materialsammlung Hamburger ABC bezeichnet werden. Die Bonusmaterialien zu den einzelnen Kursteilen dienen der Ergänzung und der Festigung des bereits Gelernten, sowie der Änderung des Tempos und des Schwierigkeitsgrades innerhalb der dem Basismaterial zugrunde liegenden Progression. Auf die einzelnen Teile des Lehrwerks soll an dieser Stelle nicht noch einmal eingegangen werden, sondern lediglich auf das teilweise bis an dieser Stelle noch nicht besprochene Ergänzungsmaterial.

Teil Ia besteht aus der Grundkurs-Vertiefung, die sich für die Unterstützung der Laut und Buchstaben-Einführung bei der Erstalphabetisierung, also für Lerner ohne eigene Schulerfahrungen, anbietet. Grundkurs – Kompakt, der Teil Ib des Hamburger ABCs, richtet sich an LernerInnen, die keine so flache Progression benötigen, wie sie der Grundkurs vorsieht. Er integriert z.B. das Worttraining für schnellere LernerInnen und anspruchsvollere Übungstypen zum Lesen, Schreiben und Hören.

Die Wort-Bild-Karten zum Grundkurs, Teil Ic, dienen dem verstehenden Lesen und der Ganzworterkennung durch 160 Wort-Bild-Karten, die den schon eingeführten Wortschatz des Grundkurses wiederholen. Für schwächere LernerInnen können die Karten auch als Vokabelhilfen eingesetzt werden.

Der Buchstabensalat als Teil 1d des Grundkurses zielt auf eine problemlosere Laut-Buchstaben-Zuordnung durch das Zerlegen von Wörtern in Laute und den anschließenden Versuch, diese in ein Schriftbild umzuwandeln, ab.

DasBilderlotto zum Grundkurs, Teil Ie, soll ebenfalls das verstehende Lesen und die Ganzworterkennung unterstützen, indem die Wort-Bild-Karten vertiefend bearbeitet werden, z.B. durch das gemeinsame spielerische Lernen in der Gruppe, wobei die Spielregeln dem Leistungsstand der LernerInnen angepasst werden können.

Zum Erlernen der Schreibschrift findet sich, wie schon erwähnt, die Einführung dazu im Zusatzmaterial Spezial 2
Einführung in die Schreibschrift".

Zur integrierten Überleitung zum Deutsch als Zweit- oder Fremdsprachekurs bieten sich das Zusatzmaterial Spezial 3 an, die Bildergeschichten, die als Querschnittsübungen parallel zu allen Niveaustufen eingesetzt werden können, und die, je nach Sprachvermögen der LernerInnen, in ihren sechs Arbeitsschritten reduzierbar sind oder sich hinsichtlich ihrer Schwierigkeit steigern lassen.  Mit dem Spezial 4Lesen, sprechen und schreiben“ lässt sich der Lese- und Schreibprozess durch Sprechübungen unterstützen. Bilder und Fragen bilden dabei den Rahmen der kommunikativen Unterrichtseinheit, die ein verstehendes Hören und ein freies Sprechen je nach Leistungsstand ermöglichen sollen. Eine Progression der Sprechtätigkeit durch komplexere Satzstrukturen und dazu passende Wiederholungsübungen sind Grundlage dieses Materials.

DasNomenspiel (Lernspiel 2) ist ein weiteres Zusatzmaterial, das wie das gewürfelte Verb (Lernspiel 1) zu den im Lehrwerk integrierten Materialien zum spielerischen Lernen gehört.

Vollständig ist das Hamburger ABC aber erst durch seine wertvollen Konzeptionellen Überlegungen, die dem Kursleiter vielfältige Anregungen geben, das Material gezielt und im Sinne der LernerInnen einzusetzen.

7. Lernerautonomie:

In den Handreichungen des Hamburger ABC wird die Lernerautonomie als Ziel stark herausgehoben, im Lehrwerk selbst werden jedoch keine expliziten Strategien zum eigenständigen Lernen und Arbeiten angeboten, d.h. dass Lerntechniken vom Lehrer selbst vermittelt werden müssten. Einige Aufgaben sind zwar teilnehmerzentriert, aber sie fördern nicht unbedingt das selbstgesteuerte Lernen.

Dennoch eignet sich das gesamte Lehrwerk für das selbstständige Arbeiten auf Grund der wiederkehrenden Übungsformen und dem so einsetzenden Wiedererkennungseffekt, wodurch ein schnelles Erkennen des Problems, dessen Bearbeitung und Kontrolle angeregt wird. Dass sich die LernerInnen vieles selbst erschließen können, ist ebenfalls den wiederkehrenden Übungsformen zu verdanken. Darüber hinaus ist eine Binnendifferenzierung durch das zusätzliche Materialangebot ebenfalls möglich, auch wenn dafür in vielen Fällen eine Unterstützungsleistung des Lehrers benötigt werden wird, gerade bei den unteren Niveaustufen, auf denen allein aus sprachlichen Gründen von einem selbständigen Verstehen der Aufgaben noch nicht ausgegangen werden darf. Möglichkeiten zur autonomen Leistungsüberprüfung bilden jedoch die Tests, die sich in vielen Teilen des Lehrwerks finden lassen wie beispielsweise am Schluss des Grundkurses der Test zur Buchstaben-Laut-Beziehung, bei welchem Buchstaben gelesen und nach dessen Diktat in eine Tabelle eingeschrieben werden. Dabei zeigt sich für die LernerInnen deutlich, welche Buchstaben noch intensiv geübt werden müssen. Die meisten Übungen ermöglichen eine Weiterarbeit nach den vorgegebenen Mustern gerade deswegen, weil bestimmte Übungstypen immer wieder vorkommen und sehr gut aufeinander abgestimmt sind, wobei die Übungsauswahl trotzdem variantenreich bleibt.

Trotz des offenen Charakters und der Variabilität des Lehrwerks ist es für einen Kurs konzipiert und nicht zum ausschließlich autonomen Lernen geeignet, weil teilweise beim Materialeinsatz oder deren Ergänzung, wie schon erwähnt, eine Lehrkraft von Nöten sein wird. Außerdem übernimmt der Lehrer neben der Aufgabe, die LernerInnen anzuleiten und zu motivieren, die Aufgabenkontrolle, da ein Lösungsschlüssel im Hamburger ABC nicht enthalten ist. Möglichkeiten zur Selbstevaluation finden jedoch sich innerhalb der Übungstests, die nach jedem Thema eine Selbsteinschätzung ermöglichen, anhand deren Ergebnisse die LernerInnen ihren Leistungsstand überprüfen und reflektieren können.  

8. Besonderheiten:

Durch den ökonomischen Druck (schwarz/weiß) und den Pappeinband sind die Gesamtkosten von 167,90 Euro trotz des erheblichen Umfangs der gesamten Materialsammlung im Vergleich zu Verlagslehrwerken für diese Zielgruppe sehr preiswert.

Ausspracheübungen werden im Themenmix 3 (Teil XI), insbesondere zur Vokalenquantität, angeboten. Der Lehrer sollte dabei besonders, während der Nachsprechübungen, auf Sprechrhythmus und Betonung achten. In der Gesamtbetrachtung ist jedoch auffällig, dass phonetische Übungen relativ spärlich sind und wegen einer Ausgewogenheit der Fertigkeiten ruhig häufiger angeboten werden könnten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Konzept des Hamburger ABC sich an den Empfehlungen des „Vorläufigen Konzeptes für einen bundesweiten Integrationskurs mit Alphabetisierung“ (www.integration-in-deutschland.de) orientiert. Das Lehrwerk ist mit seiner flexiblen Herangehensweise und seinem logischen sowie sinnvollen Aufbau auf die Bedürfnisse der LernerInnen zugeschnittenen und ermöglicht einen effektiven und individuelle Arbeitsweise.  

Im Rahmen des „Vorläufigen Konzeptes für einen bundesweiten Integrationskurs mit Alphabetisierung“ erfüllte es die Zielsetzung eines Alphabetisierungskurses - Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Produktion, Rezeption und Interaktion, sowohl im mündlichen als auch im schriftlichen Bereich, nach Möglichkeit bis zum Niveau A1 in der deutschen Sprache  zu vermitteln.